Wenn ein Stürmer eine Torwartschule betreibt
Wenn einer der besten Stürmer der Fußball-Landesliga eine Torwartschule für junge
Fußballer betreibt, kommt schon die Frage auf, ob dieses Vorhaben seriös sein soll.
Wenn man dann jedoch erfährt, dass es sich bei diesem Sportler um Marcel Reisgies
handelt, dann können sich fußballbegeisterte Dürener das schon sehr gut vorstellen.
Denn der Sportfreunde-Stürmer gehörte bis vor wenigen Jahren zu den besten
Torhütern des Kreises Düren, hütete zuletzt beim 1. FC Düren in der Mittelrheinliga in
einigen Spielen das Tor, bevor er seinen Wunsch, in den Halbprofibereich zu
gelangen, aufgab und sein Glück seitdem bei den Dürener Sportfreunden im Angriff
suchte. Über sein neues Engagement für den Fußball sprach der 33-Jährige mit Hans
Peter Jonas.
Herr Reisgies, wie sind Sie letztlich auf die Idee gekommen, eine Torwartschule zu
gründen, nachdem Sie sich von dieser Position doch eigentlich schon verabschiedet
hatten?
Marcel Reisgies: Ich habe schon seit einigen Jahren beim Torwarttrainer des Kreises
Düren, Harald Schenk, als Trainer fungiert. Und als dieser etwas kürzertreten wollte,
hat er mir angeboten, die älteren Jahrgänge ab zwölf Jahren zu übernehmen. Das ist
jetzt acht Monate her, und seit dieser Zeit trainiere ich mit achtJungs und einem
Mädchen einmal in der Woche, auch in den Ferien und in den Wintermonaten, wo wir
die Soccerhalle in Merzenich nutzen.
Wer unterstützt Sie bei dieser Aktion, die sich an junge und talentierte Torhüter
richtet?
Reisgies: Da bei diesem Projekt auch immer viele organisatorische Dinge zu
erledigen sind, wie Elterngespräche zu führen, Trainingspläne zu entwerfen mitbestimmten Schwerpunkten, Getränke und Trikots zu beschaffen, helfen mir derzeit
mit Marvin Tischer (Alem. Lendersdorf), Yannik Rosarius (Oberzier) und Christian
Balzereit (Torwartschule von Harald Schenk) drei Torhüter, sodass wir uns voll auf die
Jugendlichen konzentrieren können und neben dem Leistungsaspekt vor allem auch
die soziale Komponente versuchen zu entwickeln. Wir möchten damit einen Beitrag
leisten, dass die Jugendlichen dem Fußballsport treu bleiben, anstatt ihre wertvolle
Zeit nur mit den neuen Medien zu verbringen. Derzeit wird es immer schwieriger,
taugliche Seniorentorhüter zu finden, die die Gemeinschaft und das soziale Umfeld
schätzen.
Gibt es zudem noch weitere Angebote in Ihrer Torwartschule?
Reisgies: Ja, neben dem wöchentlichen Gruppentraining biete ich ebenfalls am
Wochenende Einzeltrainingseinheiten an, was derzeit zwei junge Keeper
wahrnehmen. Dabei kann ich natürlich noch intensiver auf situatives Training
eingehen und somit das Talent noch mehr fördern. Wichtig ist mir bei dem ganzen
Projekt zu betonen, dass ich die Schule nicht aus wirtschaftlichen Gründen
durchführe, sondern um jungen Leuten meine Torwart-Philosophie weiterzuleiten, die
Grundidee des Torwartspiels zu vermitteln und darüber hinaus Spaß dabei zu haben.
Wie und wo können sich interessierte junge Torhüter melden? Welche Kosten müssen
die Eltern aufbringen?
Reisgies: Leider existiert noch keine Webadresse dafür, sodass es alles über
Mundpropaganda laufen muss. Es gibt Visitenkarten mit Telefonnummern, die man
sich hier im Oststadion abholen kann. Die Schule läuft unter dem Namen „Clean
Sheets", was so viel heißt wie „Weiße Weste", die ja für einen Torhüter immer wichtig
ist. Der Monatsbeitrag beträgt 80 Euro für vier bis fünf Trainingseinheiten, inklusive
eines Trikots mit dem Logo der Torwartschule.
Was wäre Ihnen darüber hinaus noch wichtig, mitzuteilen?
Reisgies: Ich würde mich freuen, wenn dieses Projekt weitere Neuzugänge bringen
würde und es zukünftig am Laufen bliebe. Zudem möchte ich mich hier nochmal bei
meinem Mentor Harald Schenk bedanken, dass er mir diese Gelegenheit gegeben
und das Vertrauen geschenkt hat, seine Idee einer Torwartschule im positiven Sinne
fortzuführen.